- warum alles immer länger dauert (O-Ton Hendrik)
von Katrin, 21. - 24. Mai 2009
(Bilder von Hans, Gundi und
Katrin)
Tag (21.05.2009):
Es ist Vatertag bzw. Herrentag und das bemerkt man auch schon in der Bahn nach Zerpenschleuse-Ruhlsdorf. Nicht nur, dass wir fast nicht mehr in den Zug reingekommen wären: Es wird schon morgens um ca. 10 Uhr gegröhlt und gesoffen. Einige vermissen die Loveparade anscheinend doch. Denn die Männer, vielleicht teilweise gerade mal der Pubertät entwachsen, sind angemalt und tragen peinliche Perücken auf dem Kopf.
Als wir – das sind Lilo, Friedel, Gerhard, Gundi. Birgit, Annette, Uli (Annettes Freund) und ich – aus dem Zug steigen, werden wir schon erwartet vom Empfangskomitee bestehend aus Karsten und Hendrik. Die Boote sind schon aufgeriggert und bereit fürs Wasser. Das einzige, was fehlt, sind die Autos mit Hänger und Wolfgang, Hans und Hajo. Um die Sache abzukürzen: Wir haben ca. zwei Stunden gewartet bis sie zurück waren und den Bus samt Anhänger in nur 20 km Entfernung in Eberswalde abgestellt haben.

Das Problem
war, dass erstens die anderen ja mitfahren und Birgit, Friedel und ich unsere
Seesäcke in Hajos Auto platziert hatten.
Aber irgendwann ging es dann doch los. Nachdem ich mich hinter einem Busch
in Rekordgeschwindigkeit umgezogen habe.
Die Bootsbesetzungen des ersten Tages waren:
Wir hatten eine Menge Schleusen vor uns und eine Menge Zeit verloren. Dazu kam noch, dass wir mit vier angemeldeten Motorbooten geschleust wurden, die zwischen den Schleusen sehr langsam waren. Aber die Strecke auf dem alten Finowkanal war sehr schön. Als wir noch sechs Schleusen vor uns hatten, fing es an zu regnen und zwar heftig. Die Nachricht, dass wir erst nach 50 Minuten geschleust werden würden, brachte die Stimmung auf den Tiefpunkt. Also standen wir da zusammengekauert, wartend bis die Jacken durchgeweicht sind. Christian hatte zu allem Überfluss auch noch seine Jacke im Bus vergessen. Der Arme!

Wegen des Wetters entschieden wir uns die Boote vor der nächsten Schleuse rauszunehmen und zum Kanuklub zu fahren. Da es schon später war, waren die Schleusen nicht mehr besetzt und wir hätten die Boote umtragen müssen. Wir waren alle erschöpft und nass. Als wir an der Strasse gewartet haben, war die Stimmung schon wieder besser. Der Regen hatte aufgehört und die warme Dusche schien in greifbarer Nähe. Besonders lachen mussten wir, als wir aus einem vorbeifahrenden Auto als „Hooligans“ beschimpft wurden. Das war so dämlich, dass es schon wieder lustig war.
Im Kanuklub angekommen, haben wir gleich unser Nachtlager aufgeschlagen, geduscht und Hendrik hat Friedel, Lilo, Gerhard, Wolfgang, Hans und Brigitte in ihr Hotel gebraucht. Der Kanuverein hatte vor uns einen ziemlich runtergekommenen Kraftraum als Nachtlager zugewiesen. So mussten wir erstmal einige uralte Geräte beiseite schieben und die Fenster aufreißen. An den Seiten des Raumes und an der Decke waren Spiegel gebracht. An der Decke!!!! Hmmmmm...
Zum Essen sind wir alle, die im Kanuklub übernachteten, nach Eberswalde reingefahren. Wir haben uns für eine Pizzeria entschieden. Es war sehr lustig. Es gab Känguru und Emu auf der Karte. Das hat sich in dem Laden dann aber doch keiner getraut zu essen. Das Essen war günstig, aber größtenteils in Ordnung Leider habe ich mich selbst zu einem Erdbeereisbecher überredet. Ein großer Fehler! Schon bestimmt fünfmal angetautes Eis mit Erdbeeren aus der Dose – bäääääähh! Ich habe es nicht aufessen können. Der Kracher kam aber als wir bezahlen wollten. Der Chef kam natürlich mit einer gesamten Rechnung und setzte sich an unseren Tisch. Nun machte er den Eindruck eines verschlagenen Hütchenspielers. Einige sollten erstmal auf ihr Wechselgeld warten, Scheine gingen hin und her. Man musste echt aufpassen. Auf der Rechnung standen Dinge, die keiner bestellt hatte. Er fand das alles sehr lustig. Wir auch, aber wir haben trotzdem aufgepasst.
Im Kanuverein zurück, mussten wir erstmal feststellen, dass alles abgeschlossen war und kein Mensch zu sehen. Leichte Panik machte sich breit. Es stellte sich aber raus, dass die Türklinke nur noch doll genug gedrückt wurde. Puuhh!! In der Zwischenzeit sind Gundi und ich zum Steg gegangen, weil wir ein ganz seltsames Licht in der recht finsteren Nacht gesehen haben. Ein Auto auf einer kleinen Strasse, die wir nicht wahrgenommen haben? Es sah gruselig aus. Es bewegte sich auf uns zu. Der Nebel auf dem Wasser machte die Lichter noch unheimlicher. Schließlich haben wir gesehen, dass es Schuber mit Flutscheinwerfern war.
Wir sind alle schnell eingeschlafen trotz dreifachem Schnarchkonzert.
Tag (22.05.2009):
Es wurden frische Brötchen geholt und wir hatten Essen fürs Frühstück vorher mitgebracht. Dabei sind uns etliche lustige Dinge in diesem Verein aufgefallen. Urkunden vom soundsovielten Parteitag, Gasmasken und komplett versiffte Wasserkocher. Aber das alles führte schon am frühen Morgen – naja, so früh war es nicht – für allgemeine Erheiterung.
Schließlich wurden wir alle zur Schleuse gebracht, wo wir durch Brennnessel und Matsch die Boote zu Wasser gelassen haben.

Die Bootsbesetzungen am zweiten Tag waren:
Es standen wieder etliche Schleusen auf dem Programm, aber nicht so viele wie am Vortag. Das Wetter sah freundlich aus. In den Schleusen wurde gegessen, gescherzt und gelacht. Der Fluss wurde breiter und wir fuhren an schönen Landschaften in wunderbarem Sonnenschein vorbei. Birgit und ich haben in einigen der Schleusen die spritzenden Muscheln bewundert. Echt! Sowie das Wasser abfließt fangen die Muscheln an den Wänden an in kurzen Abständen eine kleine Wasserfontäne rauszuspritzen. Im Vorbeifahren konnten wir das Schiffshebewerk Niederfinow in seiner ungeheuren Größe bewundern. Einen Abstecher konnten wir leider nicht machen.
Eine längere Mittagspause war in Oderberg. Dort gab es sogar wirklich leckeres Eis, das ich gegen Basti verteidigen musste.


Nach der Mittagspause zogen dunkle Wolken auf und in der letzten großen Schleuse gab es einen kurzen Schauer. Nach spätestens einer halben Stunden waren wir alle wieder trocken. Es lohnte sich kaum das Regenzeugs anzuziehen. Im anschließenden Kanal haben Birgit, Christian und ich mal richtig zugelegt über ein paar Meter. Das hat ungeheuer Spaß gemacht.
Das Ende der Tagesetappe war Stolzenhagen, ein Nest, wo kaum Menschen zu sehen
waren. Eigentlich nur ein paar Pferde und jede Menge Mücken. Friedel,
Gundi, Birgit und ich haben uns freiwillig bereit erklärt mit der nächsten
Fuhre zu fahren. Bis das Auto kam haben wir etliche Runden Stadt-Land-Fluss-Scheidungsgrund-Krankheit
gespielt. Gerade rechtzeitig kam der Bus bevor es wolkenbruchartig mit Gewittern
schüttete. Die beiden nächsten Nächte verbrachten wir in einem
günstigem, aber gutem Hotel in Schwedt. So schön ist duschen selten.
Einige haben einen bösen Sonnenbrand. Nadine, Christian und Basti schlafen
netterweise im Garten des Hotels, weil für die nachgemeldeten der Fahrt
nicht genügend Zimmer mehr frei waren. Die Vorhut geht schonmal in die
nächste Kneipe. Wir anderen beschließen frisch geduscht zum Chinesen
zu gehen. Wieder regnet es, aber das macht nichts. Das Restaurant ist nicht
weit weg. Wir nehmen alle an einem großen runden Tisch Platz, dessen
drehbare Platte in der Mitte natürlich zu allerlei Unsinn anregt.
Tag (23.05.2009):
Das Frühstück ist überraschend gut und schnell geht es nach Stolzenhagen. Torsten trifft im Tausch gegen Uli mit nur ein klein wenig Verspätung ein ;-)

Die Bootsbesetzungen des dritten Tages waren:
Trotzdem die Jung-Astoria und die Berlin baugleich wirken, ist die Jung-Astoria viel schwerer. Ich habe das Gefühl, das Boot unter mir überhaupt nicht bewegt zu bekommen. Am Vormittag fällt mir das Rudern unglaublich schwer. Die Holzskulls bekomme ich kaum aus dem Wasser und gedreht. Meine Stimmung ist auf Null im Gedanken an die ca. 38 km, die noch vor uns liegen. Gerhard, es tut mir leid: Das ist sicherlich ein schönes Holzboot, aber es liegt im Wasser wie ein Stein! Die Strecke ist dazu noch langweilig. Sie führt an einer Papierfabrik vorbei, von der man zuerst den Gestank wahrnimmt.
Ich bin unglaublich froh, als wir endlich zur Mittagspause anlegen. Meine Stimmung steigt etwas.


Meine Energiereserven werden wohl irgendwie wieder aufgeladen und zu unserer Überraschung kann sich die Jung-Astoria tatsächlich bewegen und wir lassen sogar die Donau hinter uns. Erstaunlich!
In Gartz ist das Ende unserer Tagesetappe und es geht zurück zum Hotel
in Schwedt. Nach wunderbar langem Duschen, halten Birgit, Gundi und ich bei
Kaffee noch ein Schwätzchen und lümmeln auf den Betten. Ohne Kaffee
wären wir wohl eingeschlafen. Trotz des Hungers beschließen wir,
dass es nur fair ist auf die zu warten, die nicht gleich ins Hotel gefahren
werden konnten. Diesen Abend geht es wiedermal in eine Pizzeria. Und diese
Pizzeria hat wirklich sehr gutes italienisches Essen. Weil wir alle nach dem
Essen noch so aufgekratzt sind, spielen wir noch etliche Runden Tabu, wo entsprechend
viel gelacht wird. Während des Essens versucht Hendrik mich breitzuschlagen,
dass ich am nächsten Tag Landdienst mache. Widerwillig erkläre ich
mich bereit, falls sich kein anderer mehr findet.
Tag (24.05.2009):
Noch vor dem Frühstück begrüßt mich Hendrik mit der Nachricht,
dass ich wirklich Landdienst machen soll. Mein Morgen ist gelaufen. Da kann
die nette Bedienung von Birgit und Hendrik auch nicht viel helfen. Ich laufe
mit einem Gesicht bis zum Boden rum. Das entgeht Annette nicht und sie fragt
mich, was denn los sei. Ich heul ihr ordentlich eins vor. Schließlich
erbarmt sie sich und macht den Landdienst.
Auf geht es nach Gartz. Bei strahlendem Sonnenschein startet der letzte Tag und des bleibt wunderschönes Wetter. Beinahe etwas zu warm zum Rudern. Nun fahren wir auf der Oder zwischen Deutschland und Polen. Auf der Steuerbord-Seite Polen und auf der Backbord-Seite Deutschland. Die Grenze übersehen wir fast. Bis auf einen Schuber und vereinzelt Fischer sind keine Boote zu sehen. Pure Natur im Naturschutzgebiet – wirklich schön. Über uns fliegen Störche und Adler. Die Ufer sind wild wuchernd, was bei Pipipausen eher ungünstig ist.

Unser Ziel ist Stettin. In Stettin kommt eine Gabelung auf dem Wasser. Zwei Boote biegen links ab, doch wir wissen, dass Annette doch woanders ist, weil der Kanuverein in Stettin nicht willig ist, uns zu helfen. Wir fahren dem Boot hinterher. Kleine Verwirrung, doch wir alle finden die Stelle, an der Annette steht. Dort ist auch ein Fischer, der sich durch uns jedoch nicht irritieren lässt. Nachdem die Boote abgeriggert sind, warten wir auf den Bus mit dem Hänger. Einige gehen in den angrenzenden Park und machen ein kleines Picknick. Die anderen legen sich auf eine kleine Schräge an der Brücke.


Die Bootsbesetzungen am vierten Tag waren:
Leider gibt es keine Möglichkeit zum Duschen und wir machen uns gleich
auf den Heimweg. Leider mit bis zu drei Stunden Verspätung. Die einen
kommen im Auto mit Kindersicherung auf der Rückbank fast um durch Sauerstoffmangel
und Hitze. Die anderen spielen auf dem Seitenstreifen Tabu. Ich war eindeutig
im falschen Gefährt. Naja...
Alles in allem eine sehr schöne Fahrt mit schönen Landschaften. Soviel habe ich lange nicht mehr gelacht. Danke an alle!
